2017-01-06 | Anbetung der Weisen

Am 6. Januar feiert die Kirche Epiphanie bzw. das Dreikönigsfest. Es ist die Feier der glanzvollen Offenbarung der Königswürde Christi. Denn die drei Weisen aus fernen Ländern kamen, um den König der Könige anzubeten und Ihm zu huldigen. Das passende Evangelium dazu wird in Mt 2, 1-12 erzählt: „Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem
und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen …

Das Evangelium berichtet knapp die wesentlichen Fakten zu diesem Ereignis. Von 1943 bis 1947 schrieb eine Visionärin – Maria Valtorta -, durch die Beschwerden an ihr Bett gefesselt, in kaum vier Jahren und in einem Guss ihr Meisterwerk, das im deutschen Sprachraum unter dem Titel Der Gottmensch – Leben und Leiden unseres Herrn Jesus Christus verbreitet wurde und zwölf Bände à je rund 400 Seiten umfasst.  In diesem Werk wird die Episode der Begegnung der drei Weisen mit dem Königskind Jesus im Detail beschrieben. Mit Erlaubnis des Parvis-Verlages veröffentlichen wir diese Episode hier nachfolgend. Papst Pius XII. forderte am 26. Februar 1948 zur Veröffentlichung des Werkes auf, und überzeugende Vertreter der katholischen Kirche  – wie Pater Pio – setzten sich für das Werk Der Gottmensch ein. Erste Infos zu Maria Valtorta: http://www.fatherspeaks.net/valtorta_intro_de.htm. Mehr zur Person Maria Valtorta siehe das Buch des Autors Jean-François Lavère: Das Rätsel Valtorta, ebenfalls im Parvis-Verlag. Eine Gegenüberstellung Der Gottmensch / Bibel gibt: http://evangelienharmonie.de/.

Lassen Sie sich durch die Episode und die nachfolgende Lehre Jesu berühren.

Literaturangabe für den nachfolgenden Buchauszug: Maria Valtorta, Der Gottmensch – Leben und Leiden unseres Herrn Jesus Christus, Parvis-Verlag, CH-1648 Hauteville, Schweiz.

56 Anbetung der Weisen

Mein innerer Mahner [Jesus] sagt mir:
»Nenne die Betrachtungen, die du nun haben wirst und die ich dir sagen werde:
„Die Frohe Botschaft des Glaubens“; denn sie werden dir und den anderen gegeben zur Erläuterung der Macht und der Früchte des Glaubens, und um euch im Glauben an Gott zu stärken.«

Ich sehe das kleine, weiße Betlehem wie eine Brut unter dem Licht der Sterne liegen. Zwei große Straßen teilen es in Kreuzform. Die eine kommt von außerhalb des Ortes und ist die Hauptstraße, die dann wieder zum Städtchen hinausführt. Die andere verbindet die äußersten Enden der Ortschaft miteinander, führt aber nicht darüber hinaus. Andere Wege zerschneiden den kleinen Ort ohne jede Straßenplanung, wie wir sie kennen. Sie passen sich vielmehr der jeweiligen Unebenheit und den Häusern, die da und dort erbaut worden sind, an. Einmal biegen sie nach rechts, einmal nach links. Hier eine Wendung zu einem anderen Weg hin, statt geradeaus weiterzuführen. Manchmal ein kleiner Platz, sei es für einen Markt, sei es für einen Brunnen, sei es, weil überall regellos gebaut wurde und ein eckiger Bodenrest, auf dem es unmöglich ist, etwas Neues hinzusetzen, geblieben ist. Gerade mit einem dieser unregelmäßigen Plätze, so scheint mir, müssen wir uns besonders beschäftigen. Er sollte quadratisch oder mehr oder weniger rechteckig sein. Statt dessen ist ein so merkwürdiges Trapez daraus geworden, daß es auch ein Dreieck sein könnte mit einer abgebrochenen Spitze. Auf der Breitseite oder Basis des Dreiecks steht ein breites, niedriges Gebäude. Es ist das größte des Ortes. Außen herum führt eine riesige, glatte Mauer mit zwei großen Torbögen, die jetzt verschlossen sind. Das Gebäude hat im ersten Stockwerk viele Fenster, während darunter Säulengänge die Höfe umschließen, in denen Stroh und Abfälle um die Tränken der Pferde und anderer Tiere herumliegen. An den einfachen Säulen der Hallen sind Ringe angebracht, an denen die Tiere angebunden werden, und auf der einen Seite befindet sich ein großes Wetterdach für Herden und Reittiere. Es wird mir klar, daß dies die Herberge von Betlehem ist.

Auf den beiden anderen gleichlangen Seiten des Platzes befinden sich Häuser und Hütten, einige mit kleinen Vorgärten. Auf der anderen schmäleren Seite, gegenüber der Karawanserei, ist ein kleines Haus mit einer Außentreppe, die auf halber Höhe der Fassade Zutritt zum bewohnten Stockwerk gibt. Angesichts der späten Stunde ist niemand auf der Straße zu sehen. Ich sehe nur, daß das nächtliche Licht, das vom sternenbesäten Himmel herabströmt, heller wird. Die Sterne am orientalischen Himmel sind so schön, so lebendig und groß, daß sie ganz nahe scheinen, als ob man sie mit der Hand berühren könnte, diese leuchtenden Blumen auf dem Samt des Firmamentes. Ich erhebe den Blick, um nach der Quelle dieses stärkeren Lichtes zu schauen. Ein Stern von ungewöhnlicher Größe, wie ein kleiner Mond, gleitet am Himmel von Betlehem dahin, und die anderen scheinen auszuweichen, um wie Dienerinnen ihrer Königin Platz zu machen; so groß ist der Glanz, der sie überragt. Vom Stern, der einem gewaltigen Saphir gleicht, der innen von einer Sonne erleuchtet wird, geht ein Schweif aus, in dem unter der vorherrschenden Farbe des leuchtenden Saphirs, blonde Topase, grüne Smaragde, glitzernde Opale, blutrote Rubinen und sanftschillernde Amethysten aufleuchten. Alle Edelsteinfarben der Welt sind in diesem Schweif vertreten, der den Himmel in schnell wogender Bewegung durchfurcht, als wäre er lebendig. Aber die Farbe, die vorherrscht, strömt von der Scheibe des Sternes aus: die paradiesische Farbe des blassen Saphirs, der herabsteigt, um die Häuser in ein silbernes Blau zu kleiden, wie auch die Wege und den Boden von Betlehem, das die Wiege des Erlösers ist. Es ist nicht mehr die arme Stadt, für uns weniger als ein Bauerndorf, sondern eine phantastische Märchenstadt, in der alles silbern ist. Und das Wasser der Quellen und Brunnen ist wie flüssiger Diamant. Mit einem noch lebhafteren Leuchten bleibt der Stern über dem Häuschen auf der engeren Seite des kleinen Platzes stehen. Weder seine Bewohner, noch die übrigen Betlehemiten sehen ihn, denn sie schlafen in den verschlossenen Häusern. Der Stern aber vervielfältigt die Fluten seines Lichtes, sein Schweif vibriert stärker, und die wellenartigen Bewegungen, die nun deutlicher hervortreten, zeichnen beinahe Halbkreise an den Himmel. Vom Sternennetz, das er nach sich zieht, wird das ganze Firmament gefärbt, und es verteilt auch auf die anderen Sterne anmutige Farben, als wolle es ihnen ein Wort der Freude mitteilen. Das Häuschen ist eingetaucht in das flüssige Feuer der Edelsteine. Das Dach der kleinen Terrasse, das Treppchen aus dunklem Stein, die kleine Tür: alles ist wie ein Block aus reinstem Silber, der überstreut ist mit Perlen und Diamanten. Kein Königspalast auf der ganzen Welt hat je eine Treppe wie diese gehabt, noch wird je einer eine solche besitzen: eine Treppe, die die Engel und die Mutter Gottes benützen. Die Jungfrau, die Makellose, wird ihre Füße auf diese Pracht setzen, ihre Füße, die dazu bestimmt sind, auf den Stufen des Thrones Gottes zu stehen.

Aber die Jungfrau weiß es nicht. Sie wacht an der Wiege ihres Sohnes und betet. In ihrer Seele sind Lichter, die heller leuchten als die Strahlen der Sterne, die alles schmücken. Von der Hauptstraße her nähert sich eine Reiterschar. Berittene und an der Hand geführte Pferde, Dromedare und Kamele mit Reitern oder Lasten. Das Geräusch der Hufe gleicht dem Rauschen und Klatschen eines über Steine fließenden Sturzbaches. Auf dem Platz angelangt, machen alle halt. Die Reiterschar unter dem leuchtenden Stern erstrahlt in phantastischem Glanz. Das Geschirr der reich ausgestatteten Tiere, das Gepäck, die Gewänder der Reisenden: alles glänzt, und der Glanz des Metalls, des Leders, der Seide, der Juwelen und Pelze vereinigt sich mit dem Glanz des großen Sternes. Die Augen strahlen, die Gesichter lachen, denn noch ein anderer Glanz hat die Herzen entzündet: der Glanz einer übernatürlichen Freude. Während die Diener mit ihren Tieren die Karawanserei aufsuchen, steigen drei aus der Karawane von ihren Reittieren, die ein Diener sofort wegführt, und gehen auf das Haus zu. Sie werfen sich nieder, mit der Stirne zur Erde, um den Staub zu küssen. Es sind drei Mächtige. Das beweisen die reichen Gewänder. Einer mit tief dunkler Hautfarbe ist von einem Kamel gestiegen; er ist eingehüllt in einen äthiopischen Mantel aus schneeweißer Seide, der an der Stirn und um die Lenden von kostbaren Reifen gehalten wird. An seiner Seite hängt ein Dolch oder ein Schwert mit perlengeschmücktem Griff. Die beiden anderen steigen von reich geschmückten Pferden. Der eine von ihnen ist bekleidet mit einem reichen, gestreiften Stoff, in dem die gelbe Farbe vorherrscht. Es ist ein Herrenmantel, versehen mit Kapuze und Gürtel, beide so reich mit Goldbrokat bestickt, daß sie einem einzigen goldenen Filigranstück gleichen. Der dritte hat ein hemdartiges seidenes Gewand an mit langen und weiten Hosen, die an den Füßen zusammengeschnürt sind. Darüber umhüllt ihn ein feiner Schal, der mit seinen leuchtenden Farben wie ein Blumengarten aussieht. Auf dem Kopf trägt er einen Turban, der von einer Diamantenkette gehalten wird. Nachdem sie dem Haus ihre Huldigung dargebracht haben, in dem sich der Erlöser befindet, erheben sie sich und gehen zur Karawanserei, wo die Diener angeklopft und um Einlaß gebeten haben. Hier wird die Vision unterbrochen. Drei Stunden später nimmt sie ihren Fortgang mit der Anbetung Jesu durch die drei Weisen.

Es ist Tag geworden. Hell strahlt die Sonne am vormittäglichen Himmel. Ein Diener der drei überquert den Platz und steigt die Treppe des kleinen Hauses empor. Er tritt ein, kommt bald wieder heraus und kehrt zur Herberge zurück. Die drei Weisen treten hervor, ein jeder gefolgt von einem Diener. Sie überqueren den Platz. Die wenigen Vorübergehenden drehen sich um, um die prunkhaften Persönlichkeiten anzuschauen, die langsam und feierlich daherschreiten. Zwischen dem Eintritt des Dieners und der drei ist eine gute Viertelstunde vergangen, die den Bewohnern des Hauses Gelegenheit gab, sich auf den Empfang der Gäste vorzubereiten. Diese sind jetzt noch reicher gekleidet als am

Abend zuvor. Die Seidenkleider glänzen, die Edelsteine glitzern. Ein großer Federbusch mit kostbaren Diamantsplittern flattert und funkelt auf dem Haupt des Turbanträgers. Einer der Diener trägt eine mit Intarsien verzierte Truhe, deren Beschläge aus reinstem Gold sind; der zweite einen fein gearbeiteten Kelch mit einem noch mehr verzierten Deckel aus purem Gold; der dritte einen breiten, niedrigen Krug aus reinem Gold, dessen pyramidenartiger Verschluß mit einem Brillanten besetzt ist. Die Geschenke müssen schwer sein, denn die Diener tragen sie mit Mühe, besonders der Truhenträger. Die drei steigen die Treppe hinauf und treten in einen Raum, der von der Straße bis zur Rückseite des Hauses reicht. Man sieht durch ein zur Sonne hin geöffnetes Fenster ein Gärtchen im Hof. Türen öffnen sich an den beiden Seitenwänden, und durch diese blicken die Eigentümer des Hauses: ein Mann, eine Frau und drei oder vier größere und kleinere Kinder.

Maria sitzt da mit dem Kind auf dem Schoß; neben ihr steht Josef; aber auch sie erhebt und verneigt sich, als sie die Magier eintreten sieht. Sie sieht schön aus in ihrem einfachen, blütenweißen Gewand, das sie vom Hals bis zu den Füßen, von den Schultern bis zu den zarten Handgelenken bedeckt. Von ihrem von blonden Zöpfen umrahmten Haupt und dem vor Rührung geröteten Gesicht, von den zärtlich lächelnden Augen und dem Mund, der sich zum Gruß: »Der Herr sei mit euch!« öffnet, sind die drei einen Augenblick so beeindruckt, daß sie stehenbleiben. Dann treten sie näher, werfen sich zu ihren Füßen nieder und bitten sie, sich zu setzen. Sie selbst aber setzen sich nicht, wie sehr Maria sie auch darum bittet. Sie bleiben auf den Knien, auf ihren Fersen ruhend. Hinter ihnen, ebenfalls auf den Knien, sind die drei Diener. Sie waren sofort nach Übertreten der Schwelle niedergekniet. Sie haben die drei mitgebrachten Gegenstände vor sich aufgestellt und warten nun. Die drei Weisen betrachten das Kind, das mir neun bis zwölf Monate alt zu sein scheint, so lebhaft und kräftig ist es bereits. Es steht auf dem Schoß der Mutter und lächelt und lallt mit dem Stimmchen eines Vögeleins. Es ist wie seine Mutter ganz in Weiß gekleidet und trägt an den Füßchen kleine Sandalen. Seine schlichte Bekleidung besteht aus einer ganz kleinen Tunika, aus der die unruhigen Füßchen hervorschauen, die Fäustchen, die nach allem greifen möchten, und vor allen Dingen das wunderbar schöne Gesichtchen, mit den dunkelblauen funkelnden Augen und dem Mund, an dessen Seiten sich bei jedem Lächeln zwei Grübchen bilden und in dem schon die ersten Zähnchen sichtbar werden. Die Löckchen scheinen aus Goldstaubzu sein, so glänzend und leicht sind sie.

Der älteste der Weisen spricht für alle. Er erzählt Maria, wie sie in einer Nacht des vergangenen Dezembers gesehen haben, daß sich ein neuer Stern von ungewöhnlichem Glanz am Himmel entzündete. Nie hatten die Himmelskarten dieses Gestirn aufgezeichnet oder von ihm Kunde gegeben. Sein Name war unbekannt, denn es hatte keinen. Aufgegangen war er aus dem Schoß Gottes, um den Menschen eine segensvolle Wahrheit, ein göttliches Geheimnis zu verkünden. Aber die Menschen hatten nicht darauf geachtet, denn ihre Seelen steckten im Schlamm. Sie erhoben ihren Blick nicht zu Gott und vermochten die Worte nicht zu lesen, die er ihnen – in Ewigkeit sei er darob gepriesen – mit feurigen Sternen ans Himmelsgewölbe geschrieben hatte. Sie aber hatten ihn gesehen und sich bemüht, seine Stimme zu verstehen. Gern opferten sie den kurzen Schlaf, den sie ihren Gliedern sonst gewährten, vergaßen das Essen und vertieften sich in das Studium des Tierkreises. Und die Stellungen der Gestirne, die Zeit, die Jahreszeit, die Berechnung der verflossenen Stunden und der astronomischen Konstellationen hatten ihnen den Namen und das Geheimnis des Sternes kundgetan. Sein Name war: »Messias.« Und sein Geheimnis: »Der Messias ist zur Welt gekommen.« Und so waren sie abgereist, um ihn anzubeten, ein jeder, ohne von dem anderen zu wissen, über Berge und Flüsse, durch Täler und Wüsten waren sie nächtelang in Richtung Palästina gereist, denn der Stern wanderte in dieser Richtung, für einen jeden von einem verschiedenen Punkt der Erde aus. Sie sollten sich jenseits des Toten Meeres treffen; der Wille Gottes hat sie dort zusammengeführt, und zusammen sind sie weitergereist und haben sich durch ein Wunder des Ewigen verstanden, obgleich ein jeder in seiner Landessprache redete.

Zusammen sind sie nach Jerusalem gekommen, weil der Messias der König von Jerusalem, der König der Juden, sein sollte. Aber der Stern hat sich über dem Himmel dieser Stadt verhüllt; sie fühlten ihr Herz brechen und erforschten sich, um zu wissen, ob sie Gottes unwürdig geworden seien. Aber ihr Gewissen hat sie beruhigt, so daß sie sich an König Herodes wandten, um zu erfahren, in welchem Palast der neugeborene König zu finden sei, denn sie seien gekommen, ihn anzubeten. Da hat der König die Obersten der Priester und Schriftgelehrten zusammengerufen und sie gefragt, wo der Messias geboren werden solle. Und sie haben geantwortet: »In Betlehem in Judäa.« Und als sie die heilige Stadt verlassen hatten, strahlte der Stern am Abend heller denn je. Der ganze Himmel war wie ein Feuermeer. Dann blieb er stehen und hat das ganze Licht der anderen Sterne in seinem Strahlenglanz über diesem Haus vereinigt. So haben sie verstanden, daß das göttliche Kind hier sein mußte. Und jetzt beteten sie es an und brachten ihm ihre Geschenke und mehr noch ihre Herzen dar, die nie aufhören würden, Gott wegen der erwiesenen Gnaden zu preisen und seinen Sohn zu lieben, dessen heilige Menschheit sie gesehen haben. Nachher wollten sie zurückkehren und dem König Herodes davon berichten, denn auch er wünschte, ihn anzubeten.

»Und sieh, hier ist Gold, wie es einem König gebührt, hier ist Weihrauch, wie es einem Gott gebührt, und hier, o Mutter, ist Myrrhe; denn dein Sohn ist Gott, aber auch Mensch. Durch sein Fleisch und sein menschliches Leben wird er Bitterkeit und das unvermeidliche Gesetz des Sterbens erfahren. Unsere Liebe möchte sie nicht aussprechen, diese Worte, und ihn für ewig halten, auch dem Fleisch nach. Aber, o Frau, wenn unsere Zeichen, und mehr noch unsere Seelen nicht irren, ist dein Sohn der Erlöser, der Gesalbte Gottes und deshalb muß er, um die Welt zu retten, die Schuld der Welt auf sich nehmen, zu deren Strafen auch der Tod gehört. Dieser Balsam ist für jene Stunde, damit das Fleisch, das doch heilig ist, keine Verwesung kenne und seine Unversehrtheit bewahre bis zu seiner Auferstehung. Um dieser unserer Gabe willen möge er sich unser erinnern und seine Diener retten und ihnen sein Reich schenken. Einstweilen möge die Mutter ihr Kind unserer Liebe überlassen, damit wir durch es geheiligt werden; wir möchten seine Füßchen küssen, damit der Segen des Himmels auf uns herniederkomme.«

Maria hat inzwischen die Bestürzung überwunden, die die Worte der Weisen in ihr hervorgerufen haben, und ihre Traurigkeit unter einem Lächeln verborgen. Sie legt ihr Kind dem Ältesten in die Arme, der es küßt und von ihm geliebkost wird. Dann reicht er es den beiden anderen. Jesus lächelt, spielt mit den Kettchen und den Fransen der drei und schaut aufmerksam in die offene Truhe voller gelber, glänzender Dinge; er freut sich, als er sieht, daß die Sonne einen Regenbogen bildet, sobald sie den Brillanten des Deckels auf dem Gefäß mit Myrrhen trifft. Dann geben sie Maria das Kind zurück und erheben sich. Auch Maria erhebt sich. Nachdem der Jüngste der Weisen seinem Knecht aufgetragen hat, sich zu entfernen, verneigen sie sich nacheinander. Die drei sprechen noch ein wenig. Sie können sich noch nicht entschließen, das Haus zu verlassen. Tränen der Rührung stehen in ihren Augen. Endlich wenden sie sich dem Ausgang zu, von Maria und Josef begleitet. Jesus will aus den Armen seiner Mutter herab, um dem Ältesten der drei das Händchen zu geben, und so trippelt er, von Maria und dem Weisen an der Hand gehalten, mit noch unsicherem Schritt im Zimmer herum und lacht, während seine Füßchen auf den Streifen treten, den die Sonne auf dem Boden zeichnet. An der Schwelle angekommen – man darf nicht vergessen, daß der Raum so lang ist wie das Haus – verabschieden sich die drei; sie knien noch einmal nieder und küssen die Füßchen Jesu. Maria, über den Kleinen gebeugt, faßt ihn beim Händchen und führt es über das Haupt eines jeden der Weisen zu einer Geste des Segens. Es ist schon ein Kreuzzeichen, das die Fingerlein Jesu unter der Anleitung Marias zeichnen [Ez 9,4.6; Offb 7,2–3; 9,4]. Dann steigen die drei Weisen die Treppe hinunter. Die Karawane steht schon bereit. Die Zügel der Pferde glänzen in der untergehenden Sonne. Das Volk hat sich auf dem kleinen Platz versammelt, um dem ungewöhnlichen Schauspiel beizuwohnen. Jesus lacht und klatscht in die Hände. Seine Mutter hat ihn hochgehoben und auf die breite Brüstung gestellt, die den Treppenabsatz umgibt; sie hält ihn mit einer Hand an der Brust, damit er nicht hinunterfällt. Josef ist mit den dreien hinabgestiegen und hält einem jeden beim Besteigen der Pferde und des Kamels die Steigbügel. Nun sind Herren und Diener alle auf ihren Tieren. Der Marschbefehl wird gegeben. Die drei beugen sich zu einem letzten Gruß nieder bis zum Hals der Reittiere. Auch Josef verneigt sich, und ebenso Maria, die alsdann das Händchen Jesu zu einer Geste des Abschieds und des Segens führt.

57 Bemerkungen über den Glauben der drei Weisen

Jesus spricht:
»Und nun? Was soll ich euch sagen, ihr Seelen, die ihr den Glauben schwinden fühlt? Die Weisen aus dem Morgenland hatten nichts, um sich der Wahrheit zu vergewissern; nichts Übernatürliches, nur die astronomische Berechnung und ihr Nachdenken darüber, daß ein reines Leben zur Vollkommenheit führt. Trotzdem besaßen sie den Glauben. Sie glaubten an alles: an die Wissenschaft, an das Gewissen und an die göttliche Güte. Der Wissenschaft wegen haben sie geglaubt, daß der neue Stern kein anderer sein konnte als „jener“, der seit Jahrhunderten von der Menschheit erwartet wurde: der Messias. Sie haben der Stimme des Gewissens geglaubt. Als sie die „himmlische“ Stimme vernahmen, sagten sie sich: „Das ist der Stern, der die Ankunft des Messias ankündigt.“ Der Güte Gottes haben sie vertraut, da sie glaubten, daß Gott sie nicht irreführen werde und ihnen, da ihre Absicht ehrlich war, in jeder Weise helfen werde, ihr Ziel zu erreichen. Das ist ihnen gelungen. Sie allein unter so vielen Gelehrten der Sterndeutung haben dieses Zeichen verstanden; denn sie allein hatten in der Seele die Sehnsucht, die Worte Gottes zu verstehen mit der einzigen Absicht, Gott zu loben und zu ehren. Sie suchen nicht den eigenen Nutzen. Sie nehmen vielmehr Mühen und Ausgaben auf sich und verlangen keinen menschlichen Lohn. Sie wünschen nur, daß Gott ihrer gedenke und sie rette für die Ewigkeit. Da sie keine Gedanken an eine künftige, menschliche Belohnung hegen, haben sie auch keine menschliche Sorge, als sie die Reise beschließen. Ihr hättet tausend Vorwände erhoben: „Wie soll ich eine so lange Reise in Länder unternehmen, in denen fremde Sprachen gesprochen werden? Werden sie mir glauben oder werden sie mich als Spion einsperren? Welche Hilfe werden sie mir leisten, um durch Wüsten, über Flüsse und Berge zu kommen? Und die Hitze? Und der Wind der Hochebene? Und die Fiebergefahr in den sumpfigen Gebieten? Die Flüsse, wenn sie vom Regen angeschwollen sind? Dazu die ungewohnte Nahrung? Und die verschiedenen Umgangsformen und . . . und . . . “

So klügelt ihr. Sie klügeln nicht so. Sie sagen mit aufrichtiger und heiliger Kühnheit: „Du, o Gott, kannst in unseren Herzen lesen; du siehst, welches Ziel wir verfolgen; auf deine Führung vertrauen wir. Verleihe uns die übermenschliche Freude, deine zweite Person, die Mensch geworden ist, das Heil der Welt, anzubeten!“ Das ist alles. Und sie brechen vom fernen Indien auf. (Jesus sagt mir, daß hier unter Indien Mittelasien zu verstehen ist; das Gebiet, wo jetzt Turkestan, Afghanistan und Persien liegen.) Von den mongolischen Bergketten, über denen nur die Adler und die Geier kreisen und wo Gott im Rauschen der Winde und der Gießbäche spricht und geheimnisvolle Worte auf die endlosen Schneefelder schreibt; von den Ländern, in denen der Nil geboren wird und zu strömen beginnt, die grünblaue Ader, die sich in das himmelblaue Herz des Mittelmeers ergießt. Weder Bergrücken noch Wälder, noch Sandwüsten, diese ausgetrockneten Ozeane, die noch gefährlicher sind als die Meere, halten ihre Wanderung auf, und der Stern leuchtet über ihren Nächten und nimmt ihnen den Schlaf. Wenn man Gott sucht, müssen die natürlichen Gewohnheiten der übermenschlichen Ungeduld und Notwendigkeit weichen. Der Stern nimmt seine Bahn von Norden, von Osten und von Süden, und durch ein Wunder Gottes geht er allen dreien voraus auf denselben Punkt zu. Durch ein weiteres Wunder gibt er ihnen, in einer Vorwegnahme der Pfingstweisheit, die Gabe, zu verstehen und verstanden zu werden, wie es im Paradies geschieht, wo nur eine Sprache gesprochen wird: die Sprache Gottes.

Nur einmal überfällt sie ein Schrecken . . . als der Stern verschwindet; aber in ihrer Demut, in der sie wahrhaft groß sind, denken sie nicht, daß dies wegen der Bosheit anderer geschehen ist, weil das verdorbene Jerusalem es nicht verdiente, den Stern Gottes zu sehen; sie glauben vielmehr, daß sie selbst Gottes unwürdig geworden seien, und prüfen sich mit Zittern und Bangen, bereit, um Verzeihung zu bitten. Aber ihr Gewissen beruhigt sie. Seelen, die zu betrachten gewöhnt sind, haben ein sehr zartes Gewissen, verfeinert durch beständige Aufmerksamkeit und scharfe Selbstprüfung; sie haben in ihrem Innern einen Spiegel, der auch die kleinsten Flecken im täglichen Geschehen wiedergibt. Sie haben aus ihm einen Lehrmeister gemacht, der beim kleinsten, ich möchte nicht sagen Fehler, sondern schon beim Blick auf einen Fehler, beim Blick zum Menschlichen hin, seine mahnende und tadelnde Stimme erhebt. Wenn sie sich daher diesem Lehrmeister, diesem ernsten und klaren Spiegel gegenüberstellen, wissen sie, daß er nicht lügt. Jetzt aber beruhigt er sie, und sie schöpfen wieder Kraft und Atem.

„Oh! Es ist beruhigend zu fühlen, daß sich in uns nichts findet, was Gott entgegen wäre; zu fühlen, daß er mit Wohlgefallen auf die Seele des treuen Kindes schaut und sie segnet. Dieses Gefühl bringt mit sich eine Zunahme des Glaubens, des Vertrauens, der Hoffnung, der Festigkeit und der Geduld. Jetzt ist die Zeit des Sturmes; aber sie wird vorübergehen, denn Gott liebt mich und weiß, daß ich ihn liebe; er wird es nicht unterlassen, mir weiterzuhelfen.“ So sprechen alle, die den Frieden besitzen, der aus einem guten Gewissen kommt, das der Gebieter all ihrer Handlungen ist. Ich habe gesagt: sie waren demütig, weil sie wirklich groß waren. In eurem Leben hingegen, was geschieht da? Wenn einer, nicht weil er groß ist, sondern weil er eigenmächtig ist, sich dank seiner Anmaßung und eurer törichten Vergötterung durchsetzt, so wird er niemals demütig sein. Da gibt es Unglückliche, die schon wegen ihrer Stellung als Verwalter bei einem Mächtigen, als Angestellte in einem Büro, als Funktionäre einer Partei, als Diener also derer, die sie zu solchen gemacht haben, so tun, als ob sie Halbgötter wären. Sie sind bedauernswert! . . .

Die drei Weisen sind wirklich groß: erstens wegen ihrer übernatürlichen Tugenden, zweitens wegen ihres Wissens und drittens wegen ihres Reichtums. Aber sie halten sich für nichts: Staub auf dem Staub der Erde vor Gott, dem Allerhöchsten, der mit einem Lächeln Welten schafft und sie wie Weizenkörner ausstreut, um die Augen der Engel mit dem Glanz der Sterne zu ergötzen. Aber sie fühlen sich gering gegenüber dem allerhöchsten Gott, der den Planeten geschaffen hat, auf dem sie leben, und ihn so mannigfach ausgestattet hat; er, der unübertreffliche Bildner unermeßlicher Werke, der hier mit dem Druck eines Fingers eine Krone sanfter Hügel geschaffen hat, dort eine Kette von Bergen und Bergspitzen, als ob es Rückenwirbel der Erde, dieses unermeßlichen Leibes wären, dessen Adern die Flüsse, dessen Becken die Seen, dessen Herz die Ozeane, dessen Kleider die Wälder, dessen Segel die Wolken, dessen Schmuck die Gletscher, dessen Edelsteine Türkise und Smaragde, Opale und Berylle aller Gewässer sind, die mit den Wäldern und Winden den großen Lobgesang singen, den sie dem Herrn zollen. Aber die drei Weisen fühlen sich in ihrer Weisheit als Nichts gegenüber Gott, dem Allerhöchsten, von dem die Weisheit kommt, und der ihnen viel mächtigere Augen gegeben hat, die mehr vermögen als die beiden Pupillen, mit denen sie die irdischen Dinge sehen: Augen der Seele, die in den Dingen das Wort zu lesen vermögen, das nicht von Menschenhand geschriebene Wort, das geprägt ist vom Gedanken Gottes.

Und sie fühlen ihr Nichts auch in ihrem Reichtum, der nur ein Atom ist im Vergleich zum Reichtum des Herrn, der das Universum besitzt, der Metalle und Edelsteine auf die Sterne streut und übernatürliche Fülle, unerschöpfliche Fülle in das Herz dessen eingießt, der ihn liebt. Angelangt vor einem Haus, in der elendesten der Städte Judäas, schütteln sie nicht etwa den Kopf und sagen: „Unmöglich!“, sondern beugen den Rücken und die Knie und vor allem das Herz und beten an. Dort hinter dieser armen Mauer ist Gott, der Gott, den sie immer angerufen haben, ohne daß sie jemals im geringsten zu hoffen gewagt hätten, daß sie ihn einmal sehen würden. Aber sie haben ihn angerufen für das Wohl der ganzen Menschheit. Oh! Das allein wünschten sie: Ihn zu sehen, zu besitzen in jenem Leben, das keinen Sonnenaufgang und keinen Abend kennt. Er ist dort hinter der armen Mauer. Wahrscheinlich hört sein Kinderherz, das aber ebenso das Herz eines Gottes ist, die Herzschläge dieser drei, die sich im Staub der Straße niederbeugen und lobpreisen:

„Heilig, heilig, heilig, gebenedeit sei der Herr, unser Gott, und Ehre sei ihm in den höchsten Himmeln und Friede seinen Dienern! Ruhm, Ehre, Segen und Lobpreis!“ Das erbitten sie von ihm mit liebepochendem Herzen. Und während der ganzen Nacht und des folgenden Morgens bereiten sie sich mit inständigem Gebet auf die Begegnung mit dem göttlichen Kinde vor. Sie gehen nicht zu diesem Altar, der ein jungfräulicher Schoß mit der göttlichen Hostie ist, wie ihr hingeht mit einer Seele voller menschlicher Geschäftigkeit. Sie vergessen Schlaf und Speise; sie nehmen die allerschönsten Gewänder, und das nicht aus menschlicher Eitelkeit, sondern um den König der Könige zu ehren. In die königlichen Paläste treten die Würdenträger nur mit ihren schönsten Gewändern ein. Und ist es etwa nicht recht, daß sie sich zu diesem König mit ihren Festkleidern begeben? Und welches Fest kann für sie größer sein als dieses? Oh! In ihren fernen Ländern haben sie sich so schmücken müssen für Menschen ihres Standes, um sie festlich zu empfangen und zu ehren. Es ist daher recht, zu den Füßen des höchsten Königs Purpur und Perlen, Seide und kostbare Federn niederzulegen, da sie ja außerdem alle seine Werke sind; auch diese irdischen Dinge sollen ihren Schöpfer ehren. Und sie wären glücklich gewesen, wenn das Kindlein ihnen befohlen hätte, sich auf den Boden niederzustrecken zu einem lebendigen Teppich für seine kindlichen Schritte und wenn es über sie dahingeschritten wäre: Er, der ihnen die Sterne überlassen hat, ihnen, die nur Staub und abermals Staub sind. Demütig und hochherzig sind sie und gehorsam den „Stimmen“ des Erhabenen gegenüber. Diese Stimmen befahlen, dem neugeborenen König Geschenke darzubringen. Und sie bringen ihre Gaben. Sie sagen nicht: „Er ist reich und bedarf dessen nicht. Er ist Gott und wird keinen Tod erleiden.“ Sie gehorchen. Sie sind es, die als erste dem Erlöser in seiner Armut beistehen. Wie gelegen kommt das Gold dem, der morgen schon ein Flüchtling sein wird! Wie bezeichnend sind die Öle für den, der bald getötet wird! Wie lieblich ist der Weihrauch für den, der den widerlichen Gestank der menschlichen Ausschweifung in der Nähe seiner unendlichen Reinheit ertragen muß!

Demütig, hochherzig, gehorsam und voller Ehrfurcht sind sie zueinander. Tugenden erzeugen immer neue Tugenden. Die auf Gott gerichteten Tugenden gehen über zu den Tugenden dem Nächsten gegenüber. Ehrfurcht wird zur Nächstenliebe. Der Älteste wird gebeten, für alle zu sprechen, als erster den Kuß des Erlösers zu empfangen und seine Händchen zu halten. Die anderen werden ihn wiedersehen können. Er nicht. Er ist alt, und nah ist der Tag seiner Rückkehr zu Gott. Er wird ihn sehen, diesen Christus, nach seinem qualvollen Tod, und er wird ihm folgen in der Schar der Geretteten bei der Rückkehr in den Himmel. Aber er wird ihn nicht mehr sehen hier auf Erden. Als Wegzehr bleibt ihm die Wärme der kleinen Hand, die sich seiner schon runzeligen anvertraute. Kein Neid bei den anderen. Wohl aber eine Steigerung ihrer Verehrung für den alten Weisen. Er hat es sicher mehr verdient als sie, und längere Zeit hindurch. Das Gotteskind weiß es. Noch spricht es nicht, das Wort des Vaters; aber sein Handeln ist Wort, und gepriesen sei sein unschuldiges Wort, das diesen als Bevorzugten bezeichnet. Aber meine Kinder, noch zwei andere Lehren ergeben sich aus dieser Vision.

Das Verhalten Josefs, der es versteht an „seinem“ Platz zu bleiben; als Wächter und Beschützer der Reinheit und der Heiligkeit. Aber kein Usurpator der Rechte anderer. Es ist Maria mit ihrem Jesus, die Ehrung und Gruß entgegennimmt. Josef jubelt darüber in sich und ist nicht betrübt, eine Nebenfigur zu sein. Josef ist gerecht; er ist der Gerechte. Und er ist immer gerecht. Auch in dieser Stunde. Der Rauch der Feste steigt ihm nicht in den Kopf. Er bleibt demütig und gerecht. Er ist glücklich über die Geschenke. Nicht seinetwegen, sondern weil er denkt, mit ihnen das Leben seiner Braut und des lieblichen Kindes angenehmer gestalten zu können. Habgier ist bei Josef nicht zu finden. Er ist ein Arbeiter und wird fortfahren zu arbeiten. Damit „sie“, seine doppelte Liebe, es leicht und bequem haben. Weder er noch die Weisen wissen, daß diese Gaben nützlich sein werden für eine Flucht und ein Leben im Exil, wo Besitz und Vermögen dahinschwinden wie die vom Wind vertriebenen Wolken; aber auch nützlich für die Rückkehr ins Vaterhaus, nachdem alles verlorengegangen ist, Kunden und Werkzeug, und nur die nackten Mauern des Hauses geblieben sind, die Gott beschützt hat, weil er sich dort mit der Jungfrau verbunden hat und Fleisch geworden ist. Josef, der Beschützer Gottes und seiner Mutter, der Braut des Allerhöchsten, ist so demütig, daß er sogar die Steigbügel dieser Vasallen Gottes hält. Er ist ein armer Schreiner; denn die menschliche Anmaßung hat die Erben Davids ihrer königlichen Rechte und Güter beraubt. Aber er ist immer noch königlicher Abkömmling und hat königliche Züge. Auch für ihn gilt das Wort: „Er war demütig, weil er wahrhaft groß war.“

Und nun eine letzte liebliche und bezeichnende Lehre. Maria ist es, die Jesu Hand nimmt, die noch nicht zu segnen weiß, und sie zu dieser heiligen Geste führt. Immer ist es Maria, die Jesu Hand nimmt und sie führt. Auch jetzt. Jesus weiß jetzt zu segnen; aber bisweilen fällt seine durchbohrte, müde Hand enttäuscht zurück, im Bewußtsein, daß es unnütz ist zu segnen. Ihr zerstört meinen Segen. Die Hand fällt auch empört nieder, weil ihr mich verflucht. Da ist es Maria, die den Unwillen von dieser Hand nimmt, indem sie sie küßt. Oh! Der Kuß meiner Mutter! Wer kann diesem Kuß widerstehen? Und dann nimmt sie dieselbe Hand mit ihren zarten Fingern und zwingt mich liebevoll zu segnen. Meine Mutter kann ich nicht zurückweisen. Aber man muß zu ihr gehen, um sie zur Fürsprecherin zu haben. Sie war meine Königin, noch bevor sie die eure wurde, und ihre Liebe zu euch hat eine Nachsicht und Langmut, die sogar meine Liebe nicht kennt; und sie vertritt, auch ohne Worte, aber mit den Perlen ihrer Tränen und mit der Erinnerung an mein Kreuz, dessen Zeichen sie mich in der Luft machen läßt, eure Sache und erinnert mich: „Du bist der Erlöser. Rette!“

Seht, Kinder, dies ist das „Evangelium des Glaubens“ in der Szene der Weisen. Betrachtet es und tut desgleichen, zu eurem Besten!«

Freitag, den 3. März 1944

Jesus spricht: »Schreibe nur dies! Vor einigen Tagen hast du gesagt, daß du sterben wirst mit dem unerfüllten Verlangen, die Heiligen Orte zu sehen. Du siehst sie und zwar so, wie sie waren, als ich sie durch meine Gegenwart heiligte. Heute, nach zwanzig Jahrhunderten der Entheiligung durch Haß oder Liebe sind sie nicht mehr, wie sie waren. Daher bedenke, daß du sie siehst, und wer nach Palästina geht, sie nicht sieht. Also, beklage dich nicht! Zweitens: Du beklagst dich, daß die Bücher, die von mir sprechen, dir ohne Kraft und Saft zu sein scheinen, während du sie früher so sehr liebtest. Auch das kommt von deiner jetzigen Lage. Wie kannst du wollen, daß dir menschliche Arbeiten vollkommen erscheinen, wenn du die Wahrheit über die Ereignisse durch mich selbst erfährst? So geht es auch mit den Übersetzungen, selbst wenn sie gut sind. Sie verstümmeln immer die Kraft der ursprünglichen Worte. Die menschlichen Beschreibungen der Orte, der Geschehnisse und Gefühle sind wie „Übersetzungen“, und daher immer unvollkommen, ungenau, wenn nicht in den Worten und in den Tatsachen, so doch in den Gefühlsbeschreibungen. Zumal heute, wo der Rationalismus so vieles unfruchtbar macht. Wenn ich mich daher jemandem offenbare, damit er mich sehe und kennenlerne, dann wirkt jede andere Beschreibung kalt, unbefriedigend, ja abstoßend. Drittens: Es ist Freitag. Ich will, daß du „mein“ Leiden aufs neue erlebst. Ich will das heute von dir. Du sollst es miterleben in Gedanken und im Fleisch. Genug nun. Leide im Frieden und in der Liebe! Ich segne dich.«

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