2020-04-08 | Ablaß in Zeiten der Pandemie

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Wer noch nie bewußt einen Ablaß gewonnen hat, verbindet meist nichts Gutes damit. Denn allgemein ist der Begriff durch historischen Mißbrauch negativ besetzt. Dabei handelt es sich um ein ganz ausserordentliches wunderbares Geschenk der Gnade Gottes, verwaltet durch Seine heilige Kirche. Mit einem vollkommen gewonnenen Ablaß ist man für einen Moment so makellos wie die stets sündenfreie Hl. Jungfrau Maria oder wie unnmittelbar nach der Taufe..

Reicht denn nicht die gewöhnliche Beichte, die ja von Sünden befreit? Wofür brauche ich da noch einen Ablaß?
Nun, man kann das gut klarmachen an einem einfachen klassischen Beispiel:

Beim Fußballspiel fliegt mein Ball abgelenkt versehentlich in die Fensterscheibe des Nachbarn. Es tut mir natürlich leid (ich habe Reue) und ich gehe zum Nachbarn und bitte um Verzeihung. Der gutmütige Nachbar verzeiht mir vielleicht auch. Dennoch ist die Scheibe damit noch nicht wieder heile. Zur Wiedergutmachung (Buße) sollte ich dem Nachbarn die Scheibe vollständig ersetzen (dafür haben wir zum Glück heute meist eine Haftpflichtversicherung) und die Splitter wegräumen. Im Übertragenen, also in der spirituellen Welt, müßte ich ein wirlich angemessenes Bußwerk zur Widergutmachung verrichten. Doch wir merken schon, dass das im Falle eines Mordes nicht funktioniert, denn wir können das genommene Leben ja nicht wieder zurückholen bzw. ungeschehen machen. Auch bei Rufmord verhält es sich so, wie eine Anekdote des Beichtvaters Don Philipp Neri veranschaulicht [siehe ganz unten].

Also braucht es eine Ersatz-Bußleistung – denn die Gerechtigkeit kann ja nicht aufgehoben werden (das wäre ja den Opfern gegenüber ungerecht). Üblicherweise büßen Menschen daher ihr Bußwerk im Fegefeuer ab, bevor sie in den Himmel gelangen können. Doch durch die Gnade Gottes können wir hier Gottes großzügige Barmherzigkeit in Anspruch nehmen: Der Ablaß tilgt das ausstehende nötige Bußwerk – die sogenannte „zeitliche Sündenstrafe“. Der Ablaß ist freilich auch nicht ‚umsonst‘ zu haben, aber das Ablaß-Werk ist viel einfacher und vor allem noch zu Lebzeiten zu verrichten.

Ein diesbezüglicher Eintrag bei Kathpedia erklärt ganz gut die Bedingungen eines Ablasses: http://www.kathpedia.com/index.php?title=Ablass
Die Grundvoraussetzungen sind immer Reue und Hl. Beichte.

Zu besonderen Anlässen im Kirchenjahr gewährt die Kirche Ablässe, etwa beim päpstlichen Segen für die Welt „Urbi et Orbi“ zu Weihnachten und zu Ostern.

Aktuell zur Zeit der Corona-Pandemie erließ Papst Franziskus einen besonderen Ablaß. Lesen Sie hierzu die Artikel auf kath.net:

Zum Ablass in der finsteren Zeit der Seuche (30 März 2020, 06:00)
https://www.kath.net/news/71143

Vollkommener Ablass während der Corona-Pandemie! Wortlaut: das Dekret (25 März 2020, 11:50): https://www.kath.net/news/71099


Üble Nachrede über Abwesende

Eine Anekdote berichtet, wie humorvoll selbst die strenge Lektion eines Beichtvaters sein kann. Viele Adlige Roms kamen zu Philipp Neri (heute ein Heiliger) in den Beichtstuhl, unter ihnen auch die Contessa Bianchi. Ihr Fehler war es, dass sie des Öfteren in Gesellschaft schlecht über andere redete. Dafür bekam sie von Philipp Neri folgende sonderbare Buße auferlegt: Sie solle sich am Markt ein Huhn besorgen und dann damit zu ihm kommen. „Unterwegs musst du es so gut rupfen, dass dabei auch nicht eine Feder übrigbleibt.“
Es muss ein herrlicher Anblick gewesen sein, als die Contessa federrupfend durch die Straßen Roms gezogen ist. Doch es war nicht die Absicht Philipp Neris, die adlige Frau bloßzustellen. Als sie endlich mit dem gerupften Huhn zu ihm kam, erteilte er ihr die eigentliche Lehre. Sie solle nun den Weg wieder zurückgehen und alle Federn einsammeln. Als sie entgegnete: „Das ist doch nicht möglich! Der Wind hat die Federn bereits in ganz Rom verweht.“ antwortete ihr der Heilige: „Daran hättest du vorher denken müssen. So wie du die einmal ausgestreuten Federn nicht mehr aufsammeln kannst, weil der Wind sie verweht hat, so kannst du auch die bösen Worte, die du einmal ausgesprochen hast, nicht wieder zurücknehmen.“


Titel-Bild von kalhh auf Pixabay

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