2021-11-07 | Wie kann ich Gott lieben?

Gedanken zur Gottesliebe. Bei den Lesungen am 31. Sonntag im Jahreskreis (31.10.2021) ging es speziell um die Liebe zu Gott:

4 Höre, Israel!
Der Herr, unser Gott, der Herr ist einzig.
5 Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben
mit ganzem Herzen,
mit ganzer Seele
und mit ganzer Kraft.
6 Und diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte,
sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen.

Erste Lesung: Dtn 6, 2–6

Im Evangelium greift Jesus obige Bibelstelle auf und ergänzt sie:

28b In jener Zeit ging ein Schriftgelehrter zu Jesus hin
und fragte ihn: Welches Gebot ist das erste von allen?
29Jesus antwortete:
Das erste ist: Höre, Israel,
der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr.
30 Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben
mit ganzem Herzen und ganzer Seele,
mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft.
31 Als zweites kommt hinzu:
Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden.

Evangelium: Mk 12, 28b–34

Wie liebe ich also Gott? Muss ich Geschenke oder Opfer geben, um seine Gunst zu erlangen? Der Evangelist Johannes sagt ganz klar, dass uns Gott zuerst geliebt hat und wir diese Liebe nicht erst erarbeiten oder verdienen müssen, denn sie ist Sein Geschenk an uns:

„Darin besteht die Liebe: Nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns [zuerst] geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat.“

1Joh 4,10

Aber wir sind gerufen, auf Gottes Liebe zu antworten mit unserer Liebe zu Ihm. Wie das geht, erklärt Johannes auch ganz schlicht und prägnant:

„Denn darin besteht die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer.“

1Joh 5,3

Denn wie Adam & Eva die Trennung von Gott verdient haben durch ihren Ungehorsam und ihr Mißtrauen, so können wir durch unsere Gottesliebe bzw. durch das Halten Seiner Gebote diese Trennung wieder überwinden. Das geht freilich auch nicht ganz aus eigener Kraft, aber aus Seiner Gnade – notfalls auch mithilfe der Hl. Beichte. Gott hat seine Gebote – speziell auch die 10 Gebote – nicht zu unserer Drangsalierung und Versklavung gegeben, sondern um im Rahmen dieser Regeln frei und im Frieden und in der Liebe zu leben. Denn meine Freiheit muß enden, wo die meines Nächsten beginnt.

Aber Jesus erkärt auch selbst, wie man Gott liebt:

47 Da sagte jemand zu ihm [Jesus]: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir sprechen. 48 Dem, der ihm das gesagt hatte, erwiderte er: Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder? 49 Und er streckte die Hand über seine Jünger aus und sagte: Siehe, meine Mutter und meine Brüder. 50 Denn wer den Willen meines himmlischen Vaters tut, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.

Matthäus 12,47-50

Damit hat Jesus seine Mutter und seine Verwandten nicht diskreditiert. Im Gegenteil, denn seine Mutter Maria war und ist die neue Eva, die Gott ganz gehorsam (ihr berühmtes „fiat me“ – mir gesche, wie du es gesagt hast [Lk 1,38]) und vertrauensvoll gegenüber war. Aber Jesus stellt klar, dass Gottesliebe nicht nur verklärte Verliebtheit ist, sondern darauf basiert, den Willen des Vaters – den Willen Gottes – zu tun. Und zwar in dem Vertrauen, dass Gott immer das Gute für mich will, auch wenn meine Lebensumstände gerade widrig oder schmerzhaft sind. Die Liebe zu Gott ist daher primär ein Willensakt von Gehorsam & Vertrauen. Und diese Liebe bringt Segen, wie schon das Buch Hiob am AT lehrt. Basierend auf diesem Willensakt darf aber auch die emotionale Liebe unseres Herzens hinzukommen. Damit wird die Liebe zu Gott vollkommen. Oft wird in der Bibel die bräutliche Liebe als Vergleich herangezogen, womit uns Gott zeigen will, wie Er sich eine Beziehung mit uns Menschen wünscht: Voller Vertrauen, Hingabe und Liebe – wie sich eben eine Braut dem Bräutigam hingibt.

Siehe auch Minikat: https://youtu.be/n_8VOB3_4SI
und auch CatholAix: https://youtu.be/9JvYfNWBlVA

Titelfoto: Wikipedia (gemeinfrei): Der Apostel Johannes an der Brust Christi (Johannesminne), Bodenseegebiet, um 1310. Eichenholz, alte Fassung; angeblich aus dem Augustiner-Chorfrauenstift Inzigkofen

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