2022-01-23 | Lehrt das Volk!

Heute hörten wir in der ersten Sonntagslesung eine interesannte Lesung: Der historische Hintergrund war: Der Perserkönig Cyrus entließ das jüdische Volk aus babylonischer Gefangenschaft. 538 v.Chr. begann die Rückkehr der Heimkehrwilligen in ihr Vaterland Palästina. Unter mancherlei Schwierigkeiten kam es 515 zur Weihe des neugebauten Tempels. Der Priester Esra kam 458 nach Jerusalem. Er versuchte den Neuaufbau der Gemeinde auf der Grundlage der überlieferten Gesetze. 444 wurde der Laie Nehemia Statthalter des persischen Königs in Jerusalem.

Ich kann mir vorstellen, dass viele Juden in der Fremde ihren Glauben kaum noch praktiziert haben, denn sonst wären sie nicht so erschüttert gewesen angesichts der vorgelesenen Bibeltexte (siehe nachfolgende Lesung). Viele wussten offenbar nichts mehr vom jüdischen Gesetz und von ihrem Gott. Ich finde, es gibt da starke Parallelen zu heute. Mit dem Wirtschaftswunder in den 1950er-Jahren begann der Weg ins Glaubens-Exil weg vom angestammten Glauben an Gott hin zum Glauben: Ich verdiene mir meinen Wohlstand selbst, bin gut versichert – auch gesundheitlich – ich brauche Gott nicht. Auf dem Weg ins Exil waren dann auch nur wenige Hirten, die noch den rechten Weg wiesen. Etliche Hirten vertraten indes den Weg des je aktuellen Zeitgeistes.
Nun sind wir da angekommen, wo einst das jüdische Volk war: Im spirituellen Exil. Glaubenswissen ist kaum noch vorhanden in der deutschen Bevölkerung. Würden die Hirten doch endlich damit beginnen, aus der Bibel vorzulesen und das Volk zu lehren, es käme wahrscheinlich zu Bekehrungen wie damals, als Esra aus der Schrift vorlas. Bemühen wir uns doch alle, die wir noch im Glauben stehen, diesen Schatz weiterzugeben! Und beten wir für unsere Hirten!

Lesung aus dem Buch Nehemía.

In jenen Tagen
2 brachte der Priester Esra
die Weisung vor die Versammlung,
Männer und Frauen
und überhaupt alle, die schon mit Verstand zuhören konnten.
3 Vom frühen Morgen bis zum Mittag
las Esra auf dem Platz vor dem Wassertor
den Männern und Frauen und denen, die es verstehen konnten,
daraus vor.
Das ganze Volk lauschte auf das Buch der Weisung.
4a Der Schriftgelehrte Esra stand auf einer Kanzel aus Holz,
die man eigens dafür errichtet hatte.
5 Esra öffnete das Buch vor aller Augen;
denn er stand höher als das versammelte Volk.
Als er das Buch aufschlug,
erhoben sich alle.
6 Dann pries Esra den Herrn, den großen Gott;
darauf antworteten alle mit erhobenen Händen: Amen, amen!
Sie verneigten sich,
warfen sich vor dem Herrn nieder,
mit dem Gesicht zur Erde.
8 Man las aus dem Buch, der Weisung Gottes, in Abschnitten vor
und gab dazu Erklärungen,
sodass die Leute das Vorgelesene verstehen konnten.
9 Nehemía, das ist Hattirscháta,
der Priester und Schriftgelehrte Esra
und die Leviten, die das Volk unterwiesen,
sagten dann zum ganzen Volk:
Heute ist ein heiliger Tag zu Ehren des Herrn, eures Gottes.
Seid nicht traurig und weint nicht!
Alle Leute weinten nämlich,
als sie die Worte der Weisung hörten.
10 Dann sagte er zu ihnen:
Nun geht, haltet ein festliches Mahl
und trinkt süßen Wein!
Schickt auch denen etwas, die selbst nichts haben;
denn heute ist ein heiliger Tag zur Ehre unseres Herrn.
Macht euch keine Sorgen;
denn die Freude am Herrn ist eure Stärke.

Neh 8, 2–4a.5–6.8–10

Titelbild: http://thebiblerevival.com/clipart9.htm

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