2023-01-04 | Braucht die Kirche mich?

Ganz klar: Gott liebt seine Schöpfung und er liebt jedes einzelne Geschöpf. Dem Menschen möchte er sogar Vater sein. Aber braucht Gott seine Kinder? Braucht Er ihre Mitarbeit? Es heißt doch oft: „Gott hat keine anderen Hände als die deinen“. Ist Gott also Handy-capped? Ist er machlos ohne uns? Braucht Gott denn wenigstens unser Gebet, unseren Lob? In einer Präfation heißt es:

In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, himmlischer Vater, zu danken
und dir, dem allmächtigen Gott, allein die Ehre zugeben.

Du bedarfst nicht unseres Dankes.
Doch dein Geist lässt uns umkehren
und staunen über die Gaben deiner Güte.
So ist es ein Geschenk deiner Gnade,
dass wir dir danken.

Unser Lobpreis kann deine Größe nicht mehren,
doch uns bringt er Segen und Heil
durch unseren Herrn Jesus Christus.

Durch ihn rühmen wir jetzt und in Ewigkeit dein Erbarmen
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig…

Präfation. Quelle: https://martin-loewenstein.de/gebete-28-sonntag-im-jahreskreis-c-2016.html

In einer Privatoffenbarung hatte ich einst gelesen, dass die Engel im Himmel sehnlich darauf warten, dass Gott ihnen Aufgaben überträgt und sie diese ausführen dürfen.

Ich denke, Gott – der in sich selbst (in seiner Trinität) Gemeinschaft ist – braucht kein Wesen seiner Schöpfung um seinen Willen zu vollbringen. Da müssen wir uns nur mal den Schöpfungsbericht durchlesen: Er hat das ganze Universum ganz alleine erschaffen, ganz ohne Hilfe von Geschöpfen. In Jesaja 55,11 spricht Gott:

„so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, ohne zu bewirken, was ich will, und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe.“

Sein Wort (Jesus ist Gottes Wort) hat also schöpferische Kraft. Mehr braucht es für Ihn nicht. Eben auch keiner Geschöpfe. Dennoch läßt Er seine Geschöpfe teilnehmen bei der Umsetzung Seines Willens und Seiner Schöpfung: Die Engel führen gern seine Aufträge aus (wir Menschen meistens eher nicht so gerne).
Menschen heiligen sich aber, wenn sie anfangen, ihren eigenen Willen nicht so wichtig zu nehmen und nach Gottes Willen zu suchen mit dem Wunsch, ihn zu tun. An dieser Stelle sei verwiesen auf die Privatoffenbarung an Luisa Piccarreta: „Das Reich des göttlichen Willens“ (Verlag Salvator Mundi).

Erst gestern hörten wir in der Lesung:

„Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes. Doch ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.“

1 Joh 3,2

Allein schon die Vorstellung, dass dieser große Gott mich als Sein Kind annimmt, übersteigt meine Vorstellungskraft. Aber Gott spielt nicht mit uns: Er meint es ernst. Einzig Seine Liebe veranlaßt Ihn, uns als Kinder anzunehmen. Und als wäre das nicht schon der Overflow, legt Johannes noch einen drauf: Da kommt noch mehr Würde auf uns zu … unvorstellbar!

Die Gotteskindschaft ist ein Angebot Gottes. Aber sie hat auch einen Preis: Wir müssen lernen zu lieben, wie Er liebt. Und so heißt es in der Bergpredigt auch u.a.:

„Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.“

Mt 5,9

Und wir wissen: Nur ein wahrhaft Liebender kann Frieden stiften.
Es ist wahr: Gott braucht uns nicht, auch nicht unsere Gebete oder unser Lob. Aber wenn wir aus Liebe zu Ihm etwas tun – sei es Caritas, oder Gebet, oder Lobpreis – erhält die Tat einen großen Wert in Seinen Augen, was uns Segen einbringt. Gleichzeitig wandeln wir dann auf dem Wege der Heiligkeit, der zwangsläufig in Seiner väterlichen Umarmung endet.
Ist das kein Ziel, für das es sich lohnt, sich selbst und die Widrigkeiten des Lebens zu vergessen, um nur noch liebend für Ihn zu leben?

Kann ich nun aber sagen: Ich liebe Christus, liebe die Kirche aber nicht? Nicht wirklich, denn die Kirche aber ist untrennbar mit Christus verbunden, siehe:

„Er [Christus] ist das Haupt, der Leib aber ist die Kirche.“

Kol 1,18

Wir alle, die wir Christus anhängen, sind Teil des Leibes, sind Teil der Kirche Christi.
Wer also Christus dienen will, dient automatisch Seiner Kirche.


Titelfoto: Jesus in der Kirche Herz-Jesu in Aachen

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