2023-01-22 | Reformgegner hoch aggressiv?

Am 18.01.23 (11:50 AM) veröffentlichte CNA Deutsch diesen Artikel:
Bischof Dieser zum Synodalen Weg: „Gegner einer Veränderung“ sind „hoch aggressiv“

Darin heißt es im ersten Abschnitt:

>Der Aachener Bischof warnte im Gespräch mit dem Kölner Domradio am Dienstag: „Die Gegner einer Veränderung sind lautstark und sie vernetzen sich. Sie sind in einer gewissen Weise auch hoch aggressiv.“<

Quelle: https://de.catholicnewsagency.com/story/bischof-dieser-zum-synodalen-weg-gegner-einer-veraenderung-sind-hoch-aggressiv-12423

Im Originalinterview bei Domradio wird Bischof Dieser so zitiert:

>Die Gegner einer Veränderung sind lautstark und sie vernetzen sich. Sie sind in einer gewissen Weise auch hoch aggressiv, indem immer die Botschaft gesendet wird: „Was ihr macht, ist von vornherein verboten, weil es die Kirche auf einen Irrweg führt. Ihr dürft in dieser Richtung nicht weiterdenken.“ Solche Botschaften halte ich für sehr verdächtig. Der Geist des Herrn schafft Freiheit und vor allem Angstlosigkeit!<

Quelle: https://www.domradio.de/artikel/bischof-dieser-und-laien-sprecherin-mock-sehen-reformchancen

Und es gibt sie doch, die rote Linie. Den aktuellen Katechismus mag man versuchen, umzuschreiben, und ihn dem Zeitgeist zu opfern. Aber die Bibel kann man ganz sicher nicht umschreiben. Ansonsten wird man zur Sekte.

Papst Benedikt XVI hat oft den Relativismus angeprangert, der absolute und ewige Wahrheiten relativiert. Im Verhör bei Pilatus sagt Jesus:

„Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“
Pilatus sagte zu ihm: Was ist Wahrheit?

Joh 18, 37-38

Der Kommentar des Pilatus hätte auch von einem modernen, relativistischen Menschen stammen können: Solche Menschen können die Wahrheit nicht mehr erkennen. Scheinbar gibt es verschiedene Wahrheiten, die alle so wahr aussehen – In Wahrheit gibt es aber nur eine Wahrheit, Jesus:

Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.

Joh 14,6

Aber nehmen wir das Thema Homosexualität. Das hatten wir bereits in jenem Beitrag 2021 diskutiert:
https://gebetsgruppe.wordpress.com/2021/05/09/2021-0509-unterschied-zwischen-sunde-und-sunder/
Darin haben wir aufgezeigt, dass Jesus immer unterschied zwischen der Person des Sünders, dem er barmherzig begegnete und der Tat der Sünde, die er immer klar benannte und ablehnte. In der Bibel sind homosexuelle Praktiken unter dem Begriff Unzucht subsummiert. Im Neuen Testament kommt der Begriff in 29 Perikopen vor. Im Römerbrief des Paulus lesen wir beispielsweise:

24 Darum lieferte Gott sie durch die Begierden ihres Herzens der Unreinheit aus, sodass sie ihren Leib durch ihr eigenes Tun entehrten. 25 Sie vertauschten die Wahrheit Gottes mit der Lüge, sie beteten das Geschöpf an und verehrten es anstelle des Schöpfers – gepriesen ist er in Ewigkeit. Amen. 26 Darum lieferte Gott sie entehrenden Leidenschaften aus: Ihre Frauen vertauschten den natürlichen Verkehr mit dem widernatürlichen; 27 ebenso gaben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau auf und entbrannten in Begierde zueinander; Männer treiben mit Männern Unzucht und erhalten den ihnen gebührenden Lohn für ihre Verirrung.

Römer 1, 24-27

Zu der Thematik schreibt CNA: „Konkret fordert der Synodale Weg etwa eine Kehrtwende in der biblisch begründeten und in der Lehre der Kirche stets verteidigten Ablehnung von homosexuellen Handlungen.“

Zu der Anzahl Geschlechter sagt uns übrigens die Bibel in Genesis 1, 27:

Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie.

Weitere Geschlechter hat Gott offenbar nicht erschaffen – zumindest, wenn die Bibel Grundlage unseres Glaubens ist.
Aber ich will hier gar nicht weitere, dem Zeitgeist geschuldete Ideen diskutieren.
Sondern eher fragen, was eigentlich die Aufgaben der Bischöfe sind.

Für die theologisch interessierten: Das II. Vatikanum legt in der Kirchenkonstitution Lumen gentium und den dieser Konstitution zugeordneten Texten Christus Dominus (Über das Bischofsamt) und Presbyterorum ordinis (Über Dienst und Leben der Priester) eine umfassende Weihetheologie im Kontext einer Communio-Ekklesiologie vor.

Kurz formuliert ist der Bischof im Wesentlichen: Künder und Hüter des katholischen Glaubens. Wie zuletzt aufgezeigt, sind die Apostel und deren Nachfolger – die Bischöfe – leitende Missionare, die dafür sorge tragen, dass der über Jahrhunderte überlieferte Glaube – basierend auf der Hl. Schrift und dem Katechismus – weitergetragen wird in die Gegenwart als Schatz auch für die Zukunft.

Demnach müßte jeder Bischof die Priorität aller Aktivitäten seines Bistums – noch vor der Verwaltung – auf die Glaubensvermittlung – die Evangelisation – legen. Zumal heute, da die weltlichen Vorstellungen den Christlichen nicht selten zuwider laufen. Und er müßte nach Wegen suchen, den Katechismus für den „modernen“ Menschen verständlich zu machen. Dabei muß ein Bischof das Rad nicht neu erfinden. Es gibt etliche gut etablierte Glaubenskurse – wie z.B. Alphakus oder Kathkurs – die in jeder Gemeinde etabliert werden können.

Nicht viele Bischöfe legen jedoch Schwerpunkte in der Glaubensvermittlung. Hier aber sei ein positives Beispiel aufgezeigt: https://neuevangelisierung-passau.de/

Aber zum Titel dieses Beitrags: Sind die Kritiker der Reformen (Synodaler Weg, etc.) tatsächlich „hoch agressiv“? Lange haben tiefreligiöse Katholiken kaum ihre Meinung zu diversen Änderungen in der deutschen Kirche kundgetan. Doch für viele ist jetzt eine rote Linie überschritten – z.B. bei Lithurgiemißbräuchen – und sie melden sich nun zu Wort bei ihrem Bischof, dem ersten Künder und Hüter des katholischen Glaubens. Ist das nicht legitim?

Ich denke, unser katholisch-christlicher Glaube ist ein solch großer Schatz der – ähnlich einem äußerlich verschmutzen Kristall – noch gar nicht annähernd gehoben ist: Legen wir die Schönheit des Glaubens frei, angefangen beim Bischof bis hin zum einfachen Christen und verkünden wir der Welt unseren rettenden Glauben: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und Deine Auferstehung preisen wir, bist Du kommst in Herrlichkeit“ – so beten wir ja in der Hl. Messe. Tun wir es endlich auch!


Siehe auch folgende Beiträge:


Titelfoto von Philipp Pilz auf Unsplash
Kristallbild von Lisa Redfern auf Pixabay


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